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    98. Bibliothekartag in Erfurt

    17.06.09

    Vorträge auf dem BIB-Opus-Server verfügbar

    Bereits zum 98. Mal hat in diesem Juni der Deutsche Bibliothekartag in Erfurt stattgefunden. Der viertägige Kongress, organisiert von VDB (Verein Deutscher Bibliothekare e.V.) und BIB (Berufsverband Information Bibliothek e.V.)  in Kooperation mit dem dbv (Deutschen Bibliotheksverband e.V.) ist die größte bibliothekarische Großveranstaltung Deutschlands, bei der auch zahlreiche Firmen und Aussteller vertreten waren.
    Unter dem Motto "Ein neuer Blick auf Bibliotheken" wurde schwerpunktmäßig über die Mediennutzung der nächsten Generation und die künftige Rolle der Bibliotheken in der Wissens- und Informationsgesellschaft diskutiert.

    Vollständige Fachvorträge zu den einzelnen Veranstaltungen und den nachfolgend vorgestellten Themen sind nun auch im Internet abrufbar unter:
    http://www.opus-bayern.de/bib-info/bibliothekartage/2009/

    Aus urheberrechtlichen Gründen darf beim Zitieren nur auf die entsprechende Fundstelle verwiesen werden. Die Originaldateien dürfen nicht weiterverwendet werden.

    Beispielhaft sind nachfolgend ein paar Programmpunkte herausgegriffen, die interessant für öffentliche Bibliotheken sind, wobei die Auswahl subjektiv ist.

    Praxisbeispiele für innovative Projekte zur Leseförderung

    Lena Grether und Gesine Ledlein berichteten, dass die Stadtbibliothek Hannover seit 2004 das Lesementoring, ein Leseförderungsprojekt betreuen, bei dem Schüler aus dem 9. und 10. Jahrgang für ihre ehrenamtliche Arbeit als Mentoren fortgebildet werden. Je zwei Jugendliche treffen sich für eineinhalb Stunden mit sechs Grundschulkindern und bereiten dafür ein Programm aus Lesen und Vorlesen, Lese- und Bewegungsspielen, kreativen Aktivitäten und Bibliotheksbesuchen vor. Für ihren Einsatz erhalten die Jugendlichen den Kompetenznachweis Kultur, ein Zertifikat der Bundesvereinigung Kulturelle Jugendbildung, wenn sie sich aufgrund von Beobachtungen und Gesprächen nachweislich bewährt haben. 200 Jugendliche wurden bereits mit dem Kompetenznachweis Kultur ausgezeichnet, über 600 Grundschulkinder nahmen am Projekt teil.

    Seit 2007 führt das Land NRW zentrale Sprachtests bei vierjährigen Kindern im Kindergarten durch. Wenn Kinder diese Tests nicht bestehen, erhalten sie eine vom Land finanzierte, 1,5 Jahre dauernde Sprachförderung im Kindergarten. Die Stadtbibliothek Brilon hat für diese Sprachfördergruppen neue Angebote entwickelt, um zu vermitteln, wie man spielend (mit) Sprache lernt. Leiterin Ute Hachmann berichtete, dass es sich dabei unter anderem um ein vierstufiges Besuchsprogramm in der Bibliothek handelt. Dabei werden die Eltern mit einbezogen und es werden Erzählkoffer zusammengestellt und ausgeliehen.

    Lobbyarbeit für Bibliotheken

    Eine außergewöhnliche Lobbying-Offensive unter dem Motto "100 Tage – 100 Menschen – 100 Ideen" führte Dr. Dirk Wissen von der Stadt- und Regionalbibliothek Frankfurt (Oder) zwecks Netzwerkbildung, Sponsorenakquise und zum Imagegewinn in Stadt und Region durch. In den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit gab es Kontaktgespräche mit über 100 Persönlichkeiten aus Bildungs- und Kultureinrichtungen der Stadt. Beziehungen konnten in kurzer Zeit mit Direktoren anderer Bibliotheken, Museen und Bildungseinrichtungen sowie zum Oberbürgermeister, zum Kulturreferenten und Managern bedeutender Wirtschaftsunternehmen Frankfurts hergestellt werden.

    Wie aber gelangen die Bibliotheksforderungen von der  Tagesordnung zur konkreten Umsetzung? In einer von Hella Klauser moderierten Veranstaltung des Deutschen Bibliotheksverbands, Berlin, referierten und diskutier-ten u.a. Prof. Dr. Claudia Lux, Stiftung Zentral- und Landesbibliothek, Berlin und Undine Kurth MdB, Berlin, welche die andere Seite, das Agieren aus Sicht einer Politikerin darstellte, das Thema Lobbyarbeit unter verschiedenen Perspektiven. Monika Ziller, Stadtbibliothek Heilbronn, erläuterte erfolgreiche Lobbyarbeit im kommunalen Umfeld mit Berichten aus der Praxis und Beispielen. Wichtig seien gezielte Kooperationen, die neue und prominente Gäste ins Haus bringen, wie z.B. bei einer Lesung mit dem bekannten Journalisten Thomas Roth. Fazit der Veranstaltung: Bibliotheken müssen vor Ort mehr Verbündete und Partner suchen, mit Leidenschaft ihre Botschaft präsentieren und selbstbewusst auftreten.

    Von der Bestandsarbeit zum Bestandsmanagement

    Tendenzen und Entwicklungen sowie Maßnahmen für ein systematisches Bestandsmanagement wurden in einem moderierten Gespräch von Prof. Dr. Umlauf und Dr. Dirk Wissen diskutiert. Hintergrund war die Tatsache, dass die Sachbuchausleihe in den öffentlichen Bibliotheken in den letzten Jahren zurückgeht. Dabei wurde die Frage gestellt, ob dieser Ausleihrückgang mit den neuen Nutzungsmöglichkeiten des Internets oder anders zu begründen ist.

    Leistungsmessung für öffentliche Bibliotheken

    Ulla Wimmer, Deutscher Bibliotheksverband, Kompetenznetzwerk für Bibliotheken, Berlin, stellte in ihrem Vortrag präzise Modelle für einen "BIX 2.0" vor. Der Bibliotheksindex BIX erscheint 2009 zum zehnten Mal und ist für viele BIX-Teilnehmer bereits Bestandteil ihres Bibliotheksmanagements. Dies ist für die Verantwortlichen Anlass, über Möglichkeiten zur Fortentwicklung des BIX nachzudenken.

    An der Hochschule der Medien Stuttgart ist für den BIX ein Verfahren entwickelt worden, mit dem die Nutzung virtueller Bibliotheksangebote standardisiert gemessen werden kann und das seit zwei Jahren für wissenschaftliche Bibliotheken im Einsatz ist. Ab Jahresbeginn 2009 wird geprüft, ob der Ansatz auf öffentliche Bibliotheken übertragbar ist. Der Vortrag von Prof. Sebastian Mundt und Prof. Markus Hennies setzte sich mit verschiedenen Ansätzen zur Nutzungsmessung von Webangeboten auseinander und ging auf das im BIX eingesetzte Verfahren ein.

    Freundeskreise

    Unter dem Motto "Nach Taten, nicht nach Worten soll man Freunde wägen" - Best Practice aus Freundeskreisen der Bibliotheken moderierte Monika Ziller von der Stadtbibliothek Heilbronn eine Veranstaltung, wobei neben Sally G. Reed (Executive Director, Friends of Libraries U.S.A), Philadelphia, verschiedene Freundeskreise Best-Practise-Beispiele aus deutschen Bibliotheken vorstellten.

    In der Stadtbibliothek Duisburg, so Dr. Jan-Pieter Barbian ist der 1912 gegründete Verein mit rund 150 Mitgliedern für Literatur und Kunst seit den 1970er Jahren eng mit der Stadtbibliothek verbunden. Sein Jahresprogramm umfasst Lesungen, Ausstellungen und einen Literaturkatalog. Neben den Mitgliedsbeiträgen bilden Spenden die Finanzgrundlage. Die 1996 ins Leben gerufene Duisburger Bürgerstiftung Bibliothek verfügt über ein Grundkapital von 86.000 €. Mit den jährlichen Zinserträgen und Spenden werden Projekte der Stadtbibliothek finanziert. Eine 2008 ausgegebene "Lese-Aktie" soll das Stiftungskapital erhöhen.
    http://www.duisburg.de/micro/stadtbibliothek/kooperationen/uebersicht.php

    Als weiteres Projekt stellten Birgit Lotz und Annette Driessen-Seiwert, Frankfurt, den Betrieb einer Stadtteilbibliothek in Kooperation zwischen Stadtbücherei und Förderverein vor. Seit November 2004 unterstützt Lese-Zeichen Bockenheim e. V. in einer Public Private Partnership mit der Stadt Frankfurt die Stadtteilbücherei BockenheimBibliothek materiell und personell...  http://www.lese-zeichen-bockenheim.de

    Der Kulturbetrieb Mülheim an der Ruhr betreibt eine Schmökerstube.
    Das Bücher-Antiquariat ist ein Gemeinschaftsprojekt der Partner Centrum für bürgerschaftliches Engagement CBE und Freundeskreis der Stadtbücherei Mülheim an der Ruhr e.V. und wird ausschließlich von ehrenamtlichen Mitarbeitern geführt. Die Verkaufserlöse aus den antiquarischen Bücherspenden fließen zu 100 Prozent in Projekte, mit denen der Freundeskreis die Stadtbücherei beim Kauf neuer Medien unterstützt, die aus dem laufenden Etat nicht finanziert werden können. Das CBE organisiert und veranstaltet u. a. Kinderprogramme zur Leseförderung.

    Freundeskreis des Kulturbetriebs Mühlheim an der Ruhr

    Schmökerstube

     

    Weitere Informationen zum Bibliothekartag in Erfurt


    Von: Sabine Teigelkämper / Website zum Bibliothekartag in Erfurt


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